Metals

Vier Jahre nach ihrem preisgekrönten Album „The Reminder“, das sich über eine Million Mal verkaufte, kehrt Leslie Feist nun mit einem neuen in aller Munde zurück. Sie taufte es „Metals“.

Die kanadische Sängerin kann mittlerweile auf ein Dutzend Jahre im Musikbusiness und („Metals“ eingerechnet) fünf erfolgreiche Alben zurückblicken. Man erinnert sich vielleicht an die Bombe „1,2,3,4“, die, nachdem Apple sie für eine iPod-nano-Werbung verwendete, in die Charts einschlug, oder an ihren Gastauftritt auf dem Album „Riot on an Empty Street“ der norwegischen Band Kings of Convenience.

Aber nicht nur die Singer-Songwriterin erarbeitete sich mit ihren Liedern und Texten einen Platz in empfindsam-verquere Hörer-Herzen, sondern auch andere Künstler wie James Blake, der mit seinem 2010 erschienenen, sehr minimalistischen Cover von „Limit To Your Love“ seinen Durchbruch schaffte.

 Aus Literatur und Kunst wissen wir, welche Wirkung äußere Umstände auf die Werke der musisch Begabten haben – so auch auf Feist. Gemeinsam mit ihren fleißigen Helferlein, zu denen sich auch Chili Gonzales und Mocky zählen, machte sie sich auf die Suche nach dem Ort, der die Stimmung des Albums verfeinerte, die es so anders als seine Vorgänger macht. Die Sängerin – oder die Stücke selbst, wie Feist erklärt – suchten und fanden schließlich die Big Sur, eine schroffe kalifornische Steilküste, die ihr Ende im größten und tiefsten der Weltmeere findet. Dieser wildromantische und derbe Fleck schien der Künstlerin für die Produktion des Albums eine geeignete Kulisse zu sein. Das Resultat ist eine sinnlich-seriöse Platte, dessen klangliche Bandbreite über bedachtsam-kraftvoll bis rumpelnd-intensiv reicht.

Man könnte der Kanadierin vorwerfen, sie habe bei diesem Album ihren Mut zum Bruch, ihre Tollheit eingebüßt, die sie in den vorigen Alben gezielt einzusetzen wusste. Allerdings sei dem die Spontanität der Aufnahmen entgegengesetzt, denn laut der Musikerin überließ sie bei den Aufnahmen viel dem Zufall und ließ Raum für ‚Fehler‘ und Intuition. Das Spielerische ist auf der Treppe der Reife lediglich eine Stufe höher gestiegen. Würdevoll, besonnen, aber vor allem menschlich wird man über die Single „How Come You Never Go There“ an die Pazifikküste geführt, wo man Gitarren weinen, Stimmen spielen und Töne lachen hört.

Auf die Frage, was der Albumtitel für Feist bedeute, antwortet sie, es gehe um die Beschaffenheit von Metall; es sei ein Rohmaterial, dessen Form, nachdem es erst durch einen anstrengenden Prozess aus der Erde geholt werden muss, durch verschiedene Prozesse vom Formenden bestimmt werde. Die daraus resultierende Frage, ob „Metals“ nun die gegossene und geschliffene Form der Musik der 35-jährigen sei, widerlegt sie jedoch gleich, denn Metall könne jederzeit wieder eingeschmolzen und zu etwas neuen geformt werden. 
Wir sind also zunächst einmal glücklich nach Feists langer Kreativpause den güldenen Kronleuchter halten zu dürfen, der uns durch die kommenden Herbstwochen leuchten kann, bevor der große Schneesturm kommt.

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