Die Blaue Blume: „You’re just saying that because you’re in love with Yasmin Bleeth!“

„How can anyone not be in love with Yasmine Bleeth?“
-Friends, Joey and Chandler.

Die von euch, die die literarische Epoche der Romantik in der Schule durchgenommen haben, erinnern sich vielleicht an die blaue Blume. Vielleicht habt ihr sie auch kürzlich im Studium wieder erst ausgegraben oder habt so gar keine Ahnung was zur Hölle das eigentlich soll. So oder so, wird es bei den meisten aber schon eine Weile her sein – Anyway, here are a few things you might need to know, or maybe just forgot: 

Niemand geringeres als Novalis, der vielleicht einzige Autor derRomantik, der nicht wirklich in die schwarze Romantik geriet, aber trotzdem cool war (Woran erkennt man coole Autoren der deutschen Literaturgeschichte? 1. Unglücklich verliebt. 2. Das Leben lang krank. 3. Jung gestorben. Richtig. Goethe ist kein cooler Autor), schrieb in seinem Roman „Heinrich von Ofterdingen“ wie ein Jüngling zu einer versteckten Höhle schwimmt, in der sich jede Menge bunte Blumen befinden. Er aber sucht die eine lichtblaue Blume. Die Blume ist das einzige, an das er denken kann. Er nähert sich der Blume und es erblüht in ihr das wunderhübsche Gesicht einer Frau. Er beugt sich vor, will sie umfassen und küssen – als ihn die Stimme seiner Mutter weckt.
 Seitdem ist die blaue Blume (unter vielen anderen) ein Symbol für Sehnsucht und Liebe, und auch für die Natur, Fernweh und Reiselust. Sie ist die ultimative Schnittstelle zwischen Geist (Traum), Natur (Blume) und Mensch (Gesicht), und damit die Suche nach dem eigenem Selbst und diesem ganzen Käse, aber ich will mich auf die Verbindung zwischen Sehnsucht und Liebe konzentrieren, weil da meiner Meinung nach alles abgedeckt ist: Die Suche nach die Vervollständigung des eigenen Seins.

 Es geht also um ein Bild, eine Vorstellung, eine Idee; etwas, dass vielleicht eine Illusion ist, garantiert aber ein Sujet für viele Künstler aller Art. Dieses Ziehen im Herzen, das Verlangen danach etwas anderes zu sein als man ist, etwas anderes zu haben als man hat, an einem Ort zu sein, der nicht hier ist. Die Sehnsucht. 

Ja, aufmerksame Leser haben bemerkt, dass ich eigentlich erst jetzt einsteigen könnte.

Ich psychologisiere erstmal ein wenig herum: Etwas fehlt einem, man fühlt sich nicht komplett und beginnt zuprojizieren. Das was man vermisst findet man plötzlich in etwas anderem, das vielleicht sehr bewusst unerreichbar oder unbekannt ist. Wir träumen davon, dass wir irgendwo anders wohnen, etwas anderes tun oder jemand anders sind, obwohl uns der Verstand sagt, dass dadurch nichts besser wird. Hilft alles nichts. Wir träumen weiter. In Serien ist das ein beliebtes Mittel um Zuschauer vor den Fernseher zu ziehen. Der Fan sehnt sich nach einer Fiktion in seiner Fiktion.
Das geht am leichtesten (Ich berichte natürlich nur aus der Männerperspektive, in die mich mein Penis zwingt), indem man einen Protagonisten mit Identifikationscharakter hat (mehrChuck, wenigerHank Moody), der sich unglaublich in eine Frau verliebt. Diese Frau muss gut aussehen und alle Klischees der Oberflächlichkeit bedienen. Wenn es geschickt gemacht ist, werden manche(!) Zuschauer, wie der Protagonist, solange er sich nur lange genug nach ihr verzehrt, ein sehnsüchtiges Verlangen nach der Frauenrolle entwickeln, das meiner Erfahrung nach – und das finde ich interessant – sehr schnell gestillt wird, sobald der männliche Protagonist sie bekommt. 

Ein exzellentes Beispiel dafür sindKristin Kreukals Lana Lang in „Smallville“ oder für die von euch die eher auf Blondinen stehen,Yvonne Strahovskials Sarah Walker in Chuck. Lana Lang ist in „Smallville“ Clark Kents alias Supermans Highschoolcrush. Als solche ist sie Hauptaugenmerk des Protagonisten und damit der Serie und natürlich des Zuschauers.

Nun ist Smallville ja einer der Serien die ihre Haltbarkeit mit zehn Staffeln weit überschritten hat und erst am Ende der siebten Staffel verschwindet Lana Lang aus der Serie. Sie verliert natürlich schon lange davor ihren Reiz und es wurde höchste Zeit, dass siegeaxtwird. Warum sie ihre Magie verliert kann ich in der Retroperspektive nicht mehr sagen. Sie rückt einfach in den Hintergrund, und es passiert viel zu viel in der viel zu langen Serie. Trotzdem kann ein Teil von mir ihren Abgang nie verzeihen, denn wenn die Sehnsucht nach der blauen Blume einmal geweckt ist, kann sie fort gehen, verblassen, aber wird doch niemals vergessen. 
Mein Bruder berichtet übrigens, dass er in „Smallville“ immer mehr auf Chloe Sullivan achtete, während ich immer auf Lana Langs Seite war. Vielleicht liegt es daran, dass er die Serie tatsächlich gesehen hat, aber vermutlich ist es so eine Typsache. Und daran sieht man aber, dass, sollte es die blaue Blume in der Serie tatsächlich geben, man sie doch zumindest nicht kontrollieren kann.
 Sarah Walker in „Chuck“ ist viel kurzlebiger als blaue Blume. Sie verliert ihre Reize auch viel früher. Bei mir war es der Auftritt von eben jener Kristin Kreuk als Hannah. Im Ernst. Sie war einfach viel cooler. Wenn Chuck Sarah Walker dann bekommt, nachdem er Hannah abgewiesen hat („Oh Chuck, how could you?“) ist es einfach nicht mehr dasselbe. Die Sehnsucht ist schon weg, weil die Magie aus der Beziehung gegangen ist.

Manchmal funktioniert es auch mit überaus reizenden Protagonistinnen. Elfenlieds Lucy soll ihren Typen bekommen und genauso will man, dassJaye Tylerendlich an Eric (with a „C“, no „K“ no „Q“) kommt. Das wäre ein Indiz für meine Projektionstheorie.

Es scheint also gar nicht so sehr die Sehnsucht nach der Person zu sein, sondern nur die Sehnsucht nach dem Glück der Protagonisten. Vielleicht versetzt man sich aber auch in die Lage des männlichen Gegenübers, wobei ich „Eric“ nie besonders toll fand. Eher so normal.

 Es geht aber auch ganz ohne Liebesgeschichte. Dann sind es einfach nur coole Charaktere, die auftreten und den Zuschauer mit offenem Mund sitzen lassen. Ich erinnere mich zum Beispiel sehr gut daran, wie jede Szene in der letzten „Angel“-Staffel nur halb so cool war, wenn die herrlich sarkastische und ein bisschen böseEve aka Sarah Thompsonnicht dabei war. Genauso war eine Szene ohneRiver Tam in Fireflyzwar immer noch grandios, aber einfach nicht die Spitze der Serie.

Und jetzt nehmen wir die Frau aus der Rechnung. (Ich nehme an, dass weibliche Leserinnen soweit alle Geschlechter und Namen nach ihrem Willen vertauscht haben.) Bisher sieht das alles sehr nach romantischer  oder erotischer Unzufriedenheit aus. Das ändert sich sobald man(n) sich weiter umsieht und bemerkt, dass ein „Boycrush“ genauso funktionieren kann, und das Geschlecht nur auf der Oberfläche damit zu tun hat: Firefly ist nicht ganz so prima – immer noch prima, klar – wennJaynenicht da ist. WerSpikein Buffy nicht schon bei dem Satz „I kinda like [weapons], they make me feel all manly!“ geliebt hat, ist aller, aller spätestens nach seiner Rückkehr in Staffel 4 im „Team Spike“. 
Wenn nicht, kann ich mir leider nicht erklären was eure Eltern falsch gemacht haben.

Warum ist das so? Eine neue Theorie, die leider nur das bleiben kann, ist die, dass das alles Rollen sind, die nicht vollkommen geklärt sind, über die man nicht sehr viel weiß, die man dennoch gerne öfters dabei hätte. Julian Sark aus Alias – Mister „My loyalities are flexible.“ – ist auch eine Gestalt, die durch ihr Auftreten die Folge einfach verbessert. Auch er ist ungeklärt, mysteriös und irgendwie cool. Die „Angel“-Autoren haben in den letzten beiden Staffel der Serie solche Rollen übrigens perfektioniert. Eine ganze Reihe an Charakteren erscheint, die nur selten mitspielen und einfach nicht oft genug da sind. Nina kommt viel zu spät dazu, Gwen ist zu selten da und auch der Groosalugg verschwindet zu früh von der Bildfläche.Lindseyist so badass, dass man ihn am liebsten aufs Brot streichen würde und fangen wir gar nicht mitDrogynan. (Im Ernst! Was ist sein Problem?)
 Was steckt also hinter dieser Sehnsucht nach einer fiktiven Gestalt? Ist es denn Sehnsucht? Ist man unzufrieden mit seinem Leben? Versucht man eine Leere zu füllen und projiziert das in einen erfundenen Raum? Ist das dann die Kehrseite der süßen, betäubenden Realitätsflucht, welche die Welt der Serien sind? Und wann wird es zu Realitätsverlust? Wenn uns in Wirklichkeit etwas anderes fehlt, finden wir es dann in der Fiktion?

Ja.

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Das sind so die Gedanken, die passieren, wenn man sich durch imdb oder tvtropes klickt und Summer Glau stalkt

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