„Das einzige Kriterium: Man muss Pop mögen“

Foto: Andrea Rüthel

PingPing sagt „Lose Control“, aber ich mein doch eher „Come to Control!“ und nütz‘ die Chance eine ganz wunderbare Perle der Popmusik aus Österreich zu freiem Eintritt (danke forumul cultural austriac) zu genießen.

„Lose Control“, so heißt die aktuellste Single der Popformation PingPing, die sich letzten Mittwoch die Ehre im Bukarester Club Control gaben. Hubert Mauracher, begnadeter Meister der tiefen Schläge und fliegenden Beats und Loretta Who, die Frau mit der feengleichen Stimme, haben sich beim Wiener Indie- und Electro- Label Fabrique getroffen und feiern seit 2009 gemeinsam ihr großes Popmusik-Fest mit allerlei Zauberwelt und Retroschick. Beim live-Auftritt braucht’s dazu nur ein bisschen Blumendeko und Neon-Makeup für die optische Untermalung und schon entsteht das Gesamtkunstwerk, von einem Konzertbesucher so schön als „nice, easy and sweet electro-pop“ zusammengefasst.

Die Band passt perfekt ins Klischee des Control und sicher auch ins Bild jeden anderen alternative-Kellerclub der Welt. Was aber auch nicht weiter schlimm ist, denn wer solche Orte besucht, will ja auch eben gerade dieses bisschen Hipster, bisschen bunt und bisschen High Culture (Danke Eletrco, dass du muffigen Kellerbands den Hauch von E-Kunst gibst) haben. Das gute an PingPing: Ihre Musik überzeugt nicht nur das Indie-Publikum, sondern funktioniert fast überall. „Lustigerweise haben wir eine große Altersspanne bei unserem Publikum auf Konzerten. Also wir haben schon Konzerte gespielt, wo das Publikum wahrscheinlich so im Durchschnitt 15 war, und wir haben Konzerte gespielt, wo die Leute eher so 50 waren. Das hat aber beides irgendwie funktioniert.“

PingPing überzeugt einfach mit ihrer Musik. Während Mauracher mit live-Kollege Lukas Lauermann die solide Basis aus rhythmischen Schlaginstrumentklängen (samt Tambourin!) und popigen Melodien auf Synthies baut, gibt die Dame in der Runde, Loretta Who, die Verzierung mit E-Ukulele und eben dem so oft aber immer zurecht gelobten Gesang. Oft erinnert das ganze an „Pupkulies and Rebecca“.

Und was wird nun auf einem PingPing- Konzerte gemacht: getanzt, geträumt, getrunken? – Huber Mauracher: „Alles! Auf der Bühne sein ist daher immer ein Abenteuer.“ Bukarest war wohl an diesem Abend zu müde. Getanzt wurde nicht, ein bisschen geträumt aber meistens doch nur gequatscht. Zu wenig Electro für die westorientierte Jugend, die gern so elektronisch wäre, wie der Rest Europas, aber meisten verwöhnt die Stadt seine Club-und Konzertbesucher eher mit Alternative-Gedöns mit allerlei Gitarren und niedlichen Sängern. Zu so ein bisschen Pop-Musik konnte sich keiner so recht bekennen. Schade, denn wer sein Herz und sein Ohr ein wenig geöffnet hätte, hätte so schöne Dinge in der Musik und in den Träumen, in die sie einen entführt, entdecken können.

Nach dem Konzert gab es noch günstige CDs der Band („On the run“ ist der Name des Albums), mit Glück eine Widmung und auf jeden Fall einen netten Plausch mit den äußert sympathischen und offenen Künstlern.

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